Weinbau in der Champagne – Das Mittelalter

Die Kirche als Großgrundbesitzer

Das Mittelalter war in der Champagne untrennbar mit der kirchlichen Macht verbunden. Die Erzbischöfe von Reims gehörten zu den einflussreichsten Männern Frankreichs – und ihr Weinbesitz war enorm.

Besonders bedeutsam: Reims war der Krönungsort der französischen Könige. Seit Chlodwig I. (481 n. Chr.) wurden hier Könige gesalbt und gekrönt. Das bedeutete, dass der Wein der Champagne regelmäßig bei den wichtigsten Zeremonien des Königreichs präsent war – ein unschätzbares Prestige.

Die großen kirchlichen Akteure waren vor allem das Erzbistum Reims, die Abtei Saint-Remi in Reims sowie zahlreiche kleinere Klöster entlang der Montagne de Reims und der Marne.


Die Grafschaft Champagne – ein Handelszentrum

Im 11. bis 13. Jahrhundert erlebte die Region eine außergewöhnliche wirtschaftliche Blüte durch die berühmten Champagner Messen (Foires de Champagne). Troyes, Provins, Lagny und Bar-sur-Aube waren die Messestädte, die Händler aus ganz Europa anzogen – aus Italien, Flandern, Deutschland und der iberischen Halbinsel.

Das hatte direkte Auswirkungen auf den Wein:

  • Champagner Wein wurde einem gesamteuropäischen Publikum bekannt
  • Händler kauften und exportierten ihn in den Norden, besonders nach England und Flandern
  • Der Wein wurde zu einem Handelsgut von internationalem Rang

Der Wein selbst – was wurde getrunken?

Der mittelalterliche Wein der Champagne war fundamental anders als alles, was wir heute kennen:

Farbe und Stil — Dominierend war der rote Wein aus Pinot Noir, bekannt als vin de rivière (von der Marne) oder vin de montagne (von der Montagne de Reims). Er war dünn, säurebetont und wenig alkoholreich nach modernen Maßstäben – aber für die damalige Zeit im Norden Frankreichs bemerkenswert fein.

Weißwein — Zunehmend wichtig, besonders in der späteren mittelalterlichen Phase. Die Champenois lernten, aus schwarzen Trauben einen hellen, fast farblosen Wein zu keltern – eine Technik, die später für den Champagner entscheidend werden sollte.

Haltbarkeit — Ein fundamentales Problem. Der dünne, säurereiche Wein der Champagne war sehr schlecht haltbar. Er oxidierte schnell, wurde trüb und ungenießbar – oft schon nach wenigen Monaten. Das zwang die Winzer und Händler, kreative Lösungen zu finden.


Der große Rivale: Burgund

Die Champenois lebten im ständigen Schatten Burgunds. Die burgundischen Weine – körperreicher, farbiger, stabiler – galten am französischen Hof und in Europa als überlegen. Diese Rivalität war nicht nur kommerziell, sie war fast eine Frage der regionalen Ehre.

Ein besonders berühmter Streit entbrannte im frühen 14. Jahrhundert zwischen Ärzten und Gelehrten an der Universität Paris darüber, welcher Wein gesünder sei – der von Burgund oder der der Champagne. Solche Debatten zeigen, wie ernst der Wettbewerb genommen wurde.

Diese Unterlegenheit gegenüber Burgund war paradoxerweise ein Motor der Innovation. Die Champenois mussten sich etwas einfallen lassen.


Die Weinbergsstruktur

Gegen Ende des Mittelalters hatte sich eine klare geografische Struktur herausgebildet, die bis heute erkennbar ist:

Die Montagne de Reims lieferte kräftigere, strukturiertere Rotweine. Die Vallée de la Marne produzierte weichere, fruchtigere Weine mit guter Transportanbindung über den Fluss. Die Côte des Blancs südlich von Épernay begann sich als Weißweingebiet zu profilieren – fast ausschließlich mit der Chardonnay-Vorläufertraube bepflanzt.


Der Keim der Revolution

Am Ende des Mittelalters lagen also alle Zutaten bereit: eine ambitionierte Region mit Prestigeproblem, ein schwieriges Klima das seltsame Dinge mit dem Wein anstellte, und Winzer die zunehmend mit weißem Wein aus roten Trauben experimentierten.

Was fehlte, war der entscheidende Schritt – und der kam im 17. Jahrhundert.

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